Das Wort Hebamme stammt aus dem althochdeutschen
Wort „Hevanna“, was so viel bedeutet wie Ahnin bzw. Großmutter, die das Neugeborene aufhebt (hevan) bzw. hält. Über die Geburtshilfe in der Frühzeit ist
wenig bekannt, jedoch gab es bei den Naturvölkern Beispiele für einfaches geburtshilfliches
Handeln. Bereits im Alten Testament wird unterschieden zwischen Hebammen,
die für die eigentlichen Geburten verantwortlich waren, und Ärzten, die die Komplikationen
nach der Geburt behandelten.
Der Arzt Soranus von Ephesus fasste um 100
nach Christus in seinem Werk „Gynäkologie“ erstmals die wissenschaftlichen Standards
der Geburtshilfe zusammen und brachte damit das Fach maßgeblich voran. Ende des
11. Jahrhunderts schreibt die Ärztin Trotula von Salerno mehrere Werke, darunter auch
ein Lehrbuch über die Geburtshilfe, welches bis ins 16. Jahrhundert als Standardwerk bei
der Geburtshilfe galt. Im 15. Jahrhundert kamen dann die ersten Hebammenordnungen
auf. Sie regelten einerseits die Pflichten einer Hebamme, andererseits aber auch ihre Entlohnung.
Bis ins 18. Jahrhundert blieb nicht nur das Kinderkriegen, sondern auch das
Kindern-auf-die-Welt-Helfen Frauensache.
Nur in Notfällen wurden Ärzte dazu gerufen.
Auch die Ausbildung von Geburtshelferinnen blieb in Frauenhand, die eine Hebamme
bildete die andere aus. Mitte des 20. Jahrhunderts wurden Hausgeburten unüblich.
Die Kinder werden nun in Krankenhäusern auf die Welt gebracht. Heute zählen
die Schwangerschaftsvorsorge und die Wochenbettbetreuung neben der Geburtshilfe
zu weiteren Aufgaben der Hebamme.
War der Beruf der Hebamme traditionell über
Jahrhunderte eine Frauendomäne, hielt die Gleichberechtigung Ende des 20. Jahrhunderts
auch in dieser Berufsgruppe Einzug.
So wurde 1987 das Wort Entbindungspfleger
für den männlichen Geburtshelfer eingeführt.
Die Charakterisierung des Berufsbildes
Ein hohes Maß an fachlicher Kompetenz, Einsatzbereitschaft, Geduld und Einfühlungsvermögen
– dies sind Eigenschaften, die den Alltag dieses Berufsbildes prägen.
Wer sich für einen der beliebtesten Berufe entscheidet, den erwartet ein Arbeitsalltag mit einer
Vielzahl an Aufgabenstellungen und jeder Menge Verantwortung.
Denn Hebammen bzw. Entbindungspfleger begleiten
nicht nur die Geburt an sich. Vielmehr beraten sie, nach modernsten Standards ausgebildet,
Eltern bereits unmittelbar nach Bekanntwerden der Schwangerschaft und werden oft zum wichtigen Begleiter vor, während und nach der Geburt. Bis etwa zur achten
Lebenswoche des Kindes nehmen Eltern die Unterstützung der Hebamme
und des Entbindungs-pfleger in Anspruch. Ein ganz besonderer Schwerpunkt liegt
auf vorsorgenden Maßnahmen. So verschaffen
sie sich bereits frühzeitig ein Bild vom Gesundheitszustand
von Mutter und Kind. Regelmäßige
medizinische Beratung, Blutdruck-messung,
Blut- und Urinuntersuchung sowie
Kontrolle der Herztöne des Kindes und eine
Lagebestimmung gehören zu jedem Vorsorgeprogrammangebot.
Auch Wachstum und Größe
des Kindes werden bei den regelmäßigen
Vorsorgeuntersuchungen im Auge behalten.
Dahingehende Unregelmäßigkeiten und evtl.
vorliegende Geburtsrisiken können so oft bereits
im Frühstadium erkannt werden.
Gegebenenfalls in Kooperation mit einem behandelnden Arzt werden zusätzlich Hilfestellungen bei Schwangerschaftsbeschwerden, vorzeitigen Wehen und Fehllagen des Kindes geboten. Einen breiten Raum nehmen Geburtsvorbereitungskurse ein, die Müttern allein oder als Elternkurse für beide Partner angeboten werden. Die größte Herausforderung bleibt aber die Geburtsbegleitung.
Hier sind ausgebildete Hebammen bzw. Entbindungspfleger gefordert, Schwangere bei der Atmung und Entspannung zwischen den Wehen zu unterstützen, regelmäßige Kontrollen und Untersuchungen durchzuführen und Dokumentationen über den Verlauf der Geburt anzulegen.
Nach der Geburt verschaffen sich Hebammen und Entbindungspfleger einen ersten Eindruck über den Gesundheitszustand des Kindes und helfen beim Anlegen - also den ersten Stillversuchen, die sich manchmal ziemlich kompliziert gestalten. Ganz gleich, ob Schwangere eine ambulante Geburt, eine Entbindung in einer Klinik oder eine Hausgeburt wählen - der begleitenden und kontinuierlichen Hilfestellungen der Hebammen können sich Schwangere jederzeit sicher sein. Auch die Nachsorge und die Begleitung der jungen Familie in den ersten Wochen nach der Geburt gehören zu den Aufgaben in diesem Berufsbild.
Zu einem umfassenden Nachsorgeprogramm des Gesundheitszustands von Mutter und Kind zählen die Überwachung der Gebärmutterrückbildung, des Heilungszustandes nach einer Kaiserschnitt- oder Dammschnittnaht sowie die Hilfe bei Stillschwierigkeiten.
Schließlich erteilen Hebammen Ratschläge zur Babypflege und Säuglingsernährung und geben Auskunft zu Fragen rund um das Abstillen. Kurse nach der Geburt, wie etwa Rückbildungs- und Beckenbodengymnastik, runden das vielfältige Aufgabenspektrum zur umfassenden Betreuung von Müttern ab.
Hebammen und Entbindungspfleger leisten aber auch Beistand zur Bewältigung der großen körperlichen und seelischen Herausforderung frischer Eltern oder stehen Paaren zur Seite, deren Kind während der Schwangerschaft oder bei der Geburt gestorben ist.
Der Beruf der Hebamme oder des Entbindungspflegers ist sehr verantwortungsvoll, erfordert eine hohe Einsatzbereitschaft zu jeder Tages- und Nachtzeit - auch an Wochenenden und Feiertagen - und ist stark von Gefühlen geprägt.
Das Studium an der Ernst-Abbe-Hochschule Jena umfasst acht Semester und ist modular aufgebaut. Es besteht aus zwei Studienabschnitten: Der erste Studienabschnitt umfasst die Semester 1 bis 6 und beinhaltet zwölf Module und sechs Praxisphasen. Die Praxisphasen sind innercurriculare Praxisanteile und werden als Studienleistung mit ECTS angerechnet. Die Praxiseinsätze werden in einer mit der EAH kooperierenden Einrichtung des Gesundheits- und Sozialwesens geleistet. Das Hebammenstudium dauert in Vollzeit 6 Semester. Es handelt sich um ein duales Studium mit berufspraktischen und hochschulischen Inhalten. Den für die Erlaubnis maßgeblichen Teil umfasst 4.600 Stunden. Davon entfallen mind. 2.200 Stunden auf den berufspraktischen Teil und mind. 2.200 Stunden auf den hochschulischen Teil (siehe Hebammengesetz (HebG § 11).
Der zweite Studienabschnitt umfasst die Semester 7 und 8 mit sechs Modulen. Er dient der Vertiefung, Konkretisierung und Erweiterung der im ersten Studienabschnitt erworbenen Kompetenzen und Wissensinhalten. Er schließt am Ende des 8. Semesters mit der Bachelorarbeit ab.
Praktische Ausbildung
Ihre praktische Ausbildung absolvieren Sie in den Bereichen:
- Kreißsaal,
- Wöchnerinnenstation,
- Neonatologie,
- Schwangerenberatung,
- Operationssaal,
- bei Hebammen in freier Niederlassung,
- Einrichtungen der Schwangeren- oder Mütterberatung sowie in
- Gemeinschaftspraxen mit anderen Hebammen und Ärzten.